05. Februar 2007
Notebook - Unterricht - Impressionen
Im Rahmen eines Situationentrainings bearbeite ich in den Vorlesungen mit zukünftigen Gymnasiallehrkräften jeweils Fragen, die im Zusammenhang mit dem Einsatz von elektronischen Medien stehen. Neu, respektive für die heutigen Lehrkräfte neu, ist der Laptopeinsatz, besonders deshalb, weil noch kaum jemand während der eigenen Schulzeit in dieser Weise arbeiten musste und damit die Vorerfahrungen in der Rolle als Schüler/-in fehlen. Es ist unter anderem auch deshalb ein hoher Schwierigkeitsgrad für das Unterrichten gegeben. Es passiert viel, wenn 26 Schüler/-innen ihre Laptops auspacken und loslegen, ganz unsystematisch einige Gedanken dazu, die ich jeweils während den Stunden für mich aufgeschrieben habe.
Als Titel wählte ich einst: Notebookgefühle
Schülerfrage: "Ist das eine Einzelarbeit. Darf ich Musik hören?" Wie entscheiden Sie? Vor- und Nachteile?
Allgemein: Die Schüler/-innen vermitteln mir das Gefühl, dass das was wir machen bedeutend ist, es herrscht eine ernsthafte, geschäftige Stimmung, irgendwie ist man etwas Besseres, wenn man eine Sache beherrscht zu beherrschen glaubt, welche andere Schüler/-innen nicht haben.
Viele Fragen sind für mich als Lehrkraft herausfordernde Fragen, weil ich sie nicht schon x-mal gehört habe. Ich sollte weitsichtig und zweckmässig entscheiden können. Ich muss meine Erfahrung mit neuen Aspekten des Unterrichts verknüpfen.
An diesem Dienstag entschied ich mich zu Filmen. Aufgefallen sind mir: Hängende Kabel, eine Schülerin war ohne Laptop und verlangte einen von mir aus dem Gg.-Bestand.
Aufgabe war, die Module 4, 5, 6 zu machen, d.h. die Texte zu lesen und die Aufgaben zu lösen. Ich tat dasselbe und bin auf eine Art begeistert von der Darstellung vom Stoff, von der Qualität. Auf eine andere Art zweifle ich am Sinn, dies alles zu lernen, die Bezüge zum Leben, zum Alltag der Schüler/-innen fehlen mir, die Lebendigkeit fehlt, wenn ich meine Bilder von den Reisen zeigte, lebte es für mich, das konnte ich übertragen, jetzt, ich fühle mich unterfordert, ich bin wohl in der Prozessbeobachtung gefordert, im Coaching, aber mein Fachwissen, meine langjährig erworbene Fachkompetenz bringe ich nur noch selten ein. Ich muss mich enorm zurücknehmen, was mir schwer fällt. Dabei sehe ich allerdings tatsächlich, dass die Schüler/-innen lernen, sie sind dabei, im Thema, sind selber aktiv, das freut mich. Fragen gibt es allerdings selten, Fachgespräche seltenst, mir fehlen die einstigen Literar- und Realschüler (C-Matur), die mich fachlich und menschlich forderten. Was und wer bin ich nun? Am meisten helfen kann ich im technischen Bereich, stehe zu den Problemfällen hin und sage: Probieren sie nochmals und es geht häufig. Ich weiss zwar oft nicht warum, aber es geht, schön. Ich drohe während den Stunden wegzugleiten, jetzt geht es mir so wie vermutlich oft den Schüler/-innen: Es ist mir langweilig, was habe ich in den letzten 20 Jahren nicht alles für Kurse besucht, mich ständig weiter gebildet, feinste didaktische Kniffe ausprobiert, entdeckt. In vielen Themen war ich in der Lage mit wenigen Sätzen die Kernpunkte hervorzuheben, irgendwie verspüre ich kaum mehr Lust, diese einzubringen, die Kiste (Laptop) ist zwischen den Schüler/-innen und mir.
Schüler haben das Druckerkabel ausgesteckt, um ein eigenes Netzgerät einzustecken, danach geht dann evtl. der Drucker nicht mehr. Das löst dann jeweils interessante Mails zwischen Lehrkräften und Systemadministrator aus. Weil niemand rasch schaut und vor Ort sein kann, wird viel geschrieben, vermutet und der Stecker bleibt nicht eingesteckt. In Extremis führen solche Fälle zu völlig unsinnigen Aktionen, das ist aber eine andere Geschichte.
Die Stromnetzgeräte der Schüler/-innen wurden untereinander verwechselt, eines ging verloren, tauchte übrigens zwei Wochen später wieder auf.
Die Schüler/-innen haben kaum mehr Platz auf den Tischen, es ist eng und warm, obwohl das Zimmer ausnehmend gross ist.
Einige Schüler spielen immer wieder, oder chatten, man merkt es gut, sobald ich einen Schritt von meinem Pult wegmache, folgt "alt tab" und das Spiel- oder Chatfenster geht in den Hintergrund. Angesprochen auf dies sagen die Schüler/-innen das Verhältnis sei 50 : 50. Die meisten spielen nach einigen Monaten nicht mehr häufig. Es legte sich. Das Verständnis ist an sich gross, wenn eine Aufgabe klar und sinnvoll erscheint, wird wirklich gearbeitet.
Ausdauer haben die meisten, manche Stunden werkeln sie wie besessen an ihren Geräten, denke ich... aber sie sind auch irgendwie profillos, so weit weg, sie haben kaum Fragen, sie sind da, um zu erledigen, was ihnen aufgetragen wird, Prüfungen wollen oder müssen sie schreiben, etc.
Das Filmen in der Klasse hat weitreichende Konsequenzen: Ein vernünftiges Schnittprogramm fehlt auf dem LehrerPC, ich kann meines nicht installieren. Das ist nicht erlaubt und der Computer gesperrt. Aufwand ist nötig, um für etwas Banales zu kämpfen.Unverständnis und Ängste müssen ausgeräumt werden, dann erst darf installiert werden. Es gab viel Ärger.
Dann: Formatprobleme, etwas ist anders geworden als früher, ich kann die Tonspur im Schnittprogramm nicht schneiden, überhaupt kann ich damit nicht mehr wirklich arbeiten, hmmm. Noch vor einem Jahr konnte ich alles, war schnell und beherrschte das Programm, die Formate etc. jetzt ist alles wieder irgendwie anders, eine neue Version eben. Meine Energie nimmt bereits wieder ab, dabei hatte ich so grosse Freude am Filmen, es war lustig und spannend. Viele Ergebnisse, typische Situationen zeigen sich in den Bildern und die gefilmte Klasse benahm sich danach viel disziplinierter. Wir konnten dank des Filmes das Mützenproblem lösen. Heute sehe ich alle Gesichter und die Ohren sind zumindest physisch sichtbar frei, um zu empfangen.
Heute habe ich beobachtet, ohne Kamera, einfach so. Es wurde deutlich weniger gespielt, ca. 3/4 hat vermutlich immer gearbeitet, so dass ich mir fast Sorgen mache. Die schauen so angestrengt in die Kisten, keine Freude, alle so verbissen und verkrampft. Ob das gut kommt. Die Rückenmuskulatur, verspannt, die Haltungen mies... hmmm? Ich möchte so nicht Schüler/in sein. Hoffe ganz auf die Sportlehrkräfte.
Im Weiteren: Jetzt heisst es HINTER den Schüler/innen zu stehen. Da sieht man was geht und sie haben keine Chance, wegzuzwitschen, jeder Bildschirm ist in meinen wachen Augen.
Das Klima nach einer Doppelstunde ist anders: Es ist warm, nein geradezu heiss, stickig im Zimmer. Man muss noch mehr lüften. Ah: Kopfhörer sind unabdingbar. Das Geplärre der Lehrfilmli nervt gewaltig.
Als Titel wählte ich einst: Notebookgefühle
Schülerfrage: "Ist das eine Einzelarbeit. Darf ich Musik hören?" Wie entscheiden Sie? Vor- und Nachteile?
Allgemein: Die Schüler/-innen vermitteln mir das Gefühl, dass das was wir machen bedeutend ist, es herrscht eine ernsthafte, geschäftige Stimmung, irgendwie ist man etwas Besseres, wenn man eine Sache beherrscht zu beherrschen glaubt, welche andere Schüler/-innen nicht haben.
Viele Fragen sind für mich als Lehrkraft herausfordernde Fragen, weil ich sie nicht schon x-mal gehört habe. Ich sollte weitsichtig und zweckmässig entscheiden können. Ich muss meine Erfahrung mit neuen Aspekten des Unterrichts verknüpfen.
An diesem Dienstag entschied ich mich zu Filmen. Aufgefallen sind mir: Hängende Kabel, eine Schülerin war ohne Laptop und verlangte einen von mir aus dem Gg.-Bestand.
Aufgabe war, die Module 4, 5, 6 zu machen, d.h. die Texte zu lesen und die Aufgaben zu lösen. Ich tat dasselbe und bin auf eine Art begeistert von der Darstellung vom Stoff, von der Qualität. Auf eine andere Art zweifle ich am Sinn, dies alles zu lernen, die Bezüge zum Leben, zum Alltag der Schüler/-innen fehlen mir, die Lebendigkeit fehlt, wenn ich meine Bilder von den Reisen zeigte, lebte es für mich, das konnte ich übertragen, jetzt, ich fühle mich unterfordert, ich bin wohl in der Prozessbeobachtung gefordert, im Coaching, aber mein Fachwissen, meine langjährig erworbene Fachkompetenz bringe ich nur noch selten ein. Ich muss mich enorm zurücknehmen, was mir schwer fällt. Dabei sehe ich allerdings tatsächlich, dass die Schüler/-innen lernen, sie sind dabei, im Thema, sind selber aktiv, das freut mich. Fragen gibt es allerdings selten, Fachgespräche seltenst, mir fehlen die einstigen Literar- und Realschüler (C-Matur), die mich fachlich und menschlich forderten. Was und wer bin ich nun? Am meisten helfen kann ich im technischen Bereich, stehe zu den Problemfällen hin und sage: Probieren sie nochmals und es geht häufig. Ich weiss zwar oft nicht warum, aber es geht, schön. Ich drohe während den Stunden wegzugleiten, jetzt geht es mir so wie vermutlich oft den Schüler/-innen: Es ist mir langweilig, was habe ich in den letzten 20 Jahren nicht alles für Kurse besucht, mich ständig weiter gebildet, feinste didaktische Kniffe ausprobiert, entdeckt. In vielen Themen war ich in der Lage mit wenigen Sätzen die Kernpunkte hervorzuheben, irgendwie verspüre ich kaum mehr Lust, diese einzubringen, die Kiste (Laptop) ist zwischen den Schüler/-innen und mir.
Schüler haben das Druckerkabel ausgesteckt, um ein eigenes Netzgerät einzustecken, danach geht dann evtl. der Drucker nicht mehr. Das löst dann jeweils interessante Mails zwischen Lehrkräften und Systemadministrator aus. Weil niemand rasch schaut und vor Ort sein kann, wird viel geschrieben, vermutet und der Stecker bleibt nicht eingesteckt. In Extremis führen solche Fälle zu völlig unsinnigen Aktionen, das ist aber eine andere Geschichte.
Die Stromnetzgeräte der Schüler/-innen wurden untereinander verwechselt, eines ging verloren, tauchte übrigens zwei Wochen später wieder auf.
Die Schüler/-innen haben kaum mehr Platz auf den Tischen, es ist eng und warm, obwohl das Zimmer ausnehmend gross ist.
Einige Schüler spielen immer wieder, oder chatten, man merkt es gut, sobald ich einen Schritt von meinem Pult wegmache, folgt "alt tab" und das Spiel- oder Chatfenster geht in den Hintergrund. Angesprochen auf dies sagen die Schüler/-innen das Verhältnis sei 50 : 50. Die meisten spielen nach einigen Monaten nicht mehr häufig. Es legte sich. Das Verständnis ist an sich gross, wenn eine Aufgabe klar und sinnvoll erscheint, wird wirklich gearbeitet.
Ausdauer haben die meisten, manche Stunden werkeln sie wie besessen an ihren Geräten, denke ich... aber sie sind auch irgendwie profillos, so weit weg, sie haben kaum Fragen, sie sind da, um zu erledigen, was ihnen aufgetragen wird, Prüfungen wollen oder müssen sie schreiben, etc.
Das Filmen in der Klasse hat weitreichende Konsequenzen: Ein vernünftiges Schnittprogramm fehlt auf dem LehrerPC, ich kann meines nicht installieren. Das ist nicht erlaubt und der Computer gesperrt. Aufwand ist nötig, um für etwas Banales zu kämpfen.Unverständnis und Ängste müssen ausgeräumt werden, dann erst darf installiert werden. Es gab viel Ärger.
Dann: Formatprobleme, etwas ist anders geworden als früher, ich kann die Tonspur im Schnittprogramm nicht schneiden, überhaupt kann ich damit nicht mehr wirklich arbeiten, hmmm. Noch vor einem Jahr konnte ich alles, war schnell und beherrschte das Programm, die Formate etc. jetzt ist alles wieder irgendwie anders, eine neue Version eben. Meine Energie nimmt bereits wieder ab, dabei hatte ich so grosse Freude am Filmen, es war lustig und spannend. Viele Ergebnisse, typische Situationen zeigen sich in den Bildern und die gefilmte Klasse benahm sich danach viel disziplinierter. Wir konnten dank des Filmes das Mützenproblem lösen. Heute sehe ich alle Gesichter und die Ohren sind zumindest physisch sichtbar frei, um zu empfangen.
Heute habe ich beobachtet, ohne Kamera, einfach so. Es wurde deutlich weniger gespielt, ca. 3/4 hat vermutlich immer gearbeitet, so dass ich mir fast Sorgen mache. Die schauen so angestrengt in die Kisten, keine Freude, alle so verbissen und verkrampft. Ob das gut kommt. Die Rückenmuskulatur, verspannt, die Haltungen mies... hmmm? Ich möchte so nicht Schüler/in sein. Hoffe ganz auf die Sportlehrkräfte.
Im Weiteren: Jetzt heisst es HINTER den Schüler/innen zu stehen. Da sieht man was geht und sie haben keine Chance, wegzuzwitschen, jeder Bildschirm ist in meinen wachen Augen.
Das Klima nach einer Doppelstunde ist anders: Es ist warm, nein geradezu heiss, stickig im Zimmer. Man muss noch mehr lüften. Ah: Kopfhörer sind unabdingbar. Das Geplärre der Lehrfilmli nervt gewaltig.

