Das Thema Material- und Arbeitsorganisation für Lehrkräfte ist auf den ersten Blick kein Renner. Es wird zudem von Studierenden oder Lehrkräften in Kursen nicht erwartet. Trotzdem bestehe ich darauf, in der Ausbildung darüber zu reflektieren.

Sammeln, suchen und nicht finden? Oder ganz anders?

Die neuen Medien ermöglichen fundamental andere Arten der Material- und Arbeitsorganisation als früher. Nicht nur das: Die jetzigen Möglichkeiten verändern sich zudem rasch. Hin und wieder das eigene Tun zu stoppen und zu reflektieren, kann sich lohnen.

Man beachte die Entwicklungen, zum Beispiel http://www.lebenimaargau.ch als Beispiel für ein online unterstütztes Lehrmittel. Trends werden dabei ersichtlich und das eigene Handeln auf Solches abzustimmen, ist die Botschaft.

Ich sehe meine inzwischen pensionierten Kollegen, welche fast ihr halbes Lehrerleben damit verbracht haben, Materialien, Artikel und Bilder zu sammeln, diese zu archivieren... und das mit dem edlen Gedanken, diese den Jungen zu übergeben. Viele Studierenden sind übrigens nach wie vor auf der Jagd nach sogenannt guten Arbeitsblättern, Rezepten und möglichst schon während der Ausbildung fertige Materialien zu horten.

Doch wie sehen nun die Gedanken zur Material- und Arbeitsorganisation einer Lehrkraft unter Berücksichtigung der relativ aktuellen informationstechnischen Möglichkeiten aus? Ich habe in alten Texten gestöbert und hier einige Auszüge publiziert:

1.12.2007

Die Vorlesung und damit verbundene Aufgabenstellungen haben mich erneut dazu gebracht, verschiedene Arbeitsabläufe zu hinterfragen und zu überdenken. Ein fundamentaler Wandel hat im Herbst 2007 statt gefunden, als ich mich entschieden hatte, keine Laptops mehr herumzutragen, da in der Zwischenzeit an all meinen Arbeitsorten mehr oder weniger taugliche Computer aufgestellt worden waren. Ich kaufte mir einen 2 GB „grossen“ Stick und schätzte mich damit glücklich… zumindest was Gewicht und Herumtragen betrafen.

Vieles war dadurch wieder in Bewegung geraten und neue Probleme traten auf.

1. Die Dateisicherung ist entgegen meiner Vorstellungen wieder unkomfortabler geworden. Ich bin zu wenig diszipliniert, halte die Ordnerstrukturen nicht ein. Immer mehr wurde der BSCW zum heiligen Ort. In den Server und seine Unterhaltsequipe habe ich grosses Vertrauen. Es ist jeweils der Abschluss eines Tages oder einer Arbeitssequenz, nachzudenken, ob ich jetzt alle neuen und veränderten Dateien auf BSCW geladen habe. Dieser Vorgang ist ein Ritual, das ich einzuhalten versuche und mich vor einem GAU bewahren soll… ausser der BSCW? … Da vertraue ich auf persönliche Kontakte und das Gefühl, dass bei der ETH genügend Ressourcen zur Verfügung stehen, so dass eine relativ grosse Sicherheit besteht.

2. Die Nutzung der unterschiedlichen Computer hat ihre Tücken. Die Vielfalt der Anwendungen ist in meinem Fall zu gross, um zuverlässig auf das Funktionieren der Computer abstellen zu können. Die Feinheiten, die persönlichen Einstellungen, die unterschiedlichen Versionen und die ständig erforderlichen (?) Updates an verschiedenen Arbeitsplätzen bringen Zeitverlust und Ärger. Ich glaube aber innerhalb einer Schule dürfte dies tragbar sein. (?)

Was sich in den letzten Monaten auf die Schule bezogen verändert hat, ist, dass ich kaum mehr Dateien von andern Lehrkräften, Servern usw. sammle und zu horten versuche. Nach Jahren sehe ich nun auch für mich ein, dass ich sowieso immer weniger Zweitverwertungen machen kann. Ich suche dann, wenn ich wirklich brauche!

Ich versuche vermehrt zu referenzieren, Hinweise festzuhalten, wo was ist und mit was es in Zusammenhang gebracht werden könnte. Dazu hilft die konsequente Sammlung der Links mit Kommentaren in einer Groupware. Das Sammeln und Sichten ist ansonsten zu viel. Es gelingt mir gerade mal für die Vorlesung relativ gut, was allerdings nur dank der Zeit für den Lehrauftrag möglich ist. Hierfür sind ca. 80% der Inhalte jeweils wieder durchdacht und nicht einfach recycelt. Die Web 2.0-Anwendungen wie Flickr, Furl, Delicious etc. beobachte und teste ich.

Im Mittelschulalltag ist dies kaum durchzuhalten. Die Organisation des Unterrichts – ich meine damit nicht das inhaltliche Unterrichten – sondern das Administrieren, die Schulentwicklung, die Arbeiten in und mit der Fachschaft, all die Arbeiten mit den Schüler/-innen (Projekte, Sonderwochen, Matura, Schulbesuche, Exkursionen) sowie Anlässe in und mit der Schule, Feiern, Elternkontakte, Schulleitungsaufträge usw. benötigen heute praktisch die gesamte Arbeitszeit einer Schulwoche. Da bleibt ganz wenig für die Prozesssteuerung, fürs Coaching, für persönliche Gespräche in Bezug auf den Unterrichtsstoff und die Schüler/-innen. Es sind eindrückliche Entwicklungen, die ich in dieser Art wahrnehme und die es bewusst werden zu lassen gilt.

Ich kann heute vieles über eine Groupware koordinieren und ablaufen lassen. Das bedeutet aber auch, dass ich vieles nicht mehr weiss, was ich mit wem, wann gemacht und besprochen habe. Ich kann die Schüleraktivitäten ankurbeln, kann aber meine persönliche Betreuungszeit und meine Kapazitäten der Anteilnahme nur bedingt steigern. In dieser Beziehung hat sich die Schere in den letzten Jahren geöffnet.

Dazu ein konkretes Beispiel, das aufzeigen soll, dass Lehrkräfte all den an sie herangetragenen Forderungen nicht genügen können: Sie (Anmerkung: an die Studierenden) haben hoffentlich die Audiodatei zur Buchbesprechung auf BSCW gesehen, evtl. gar gehört. Das letzte Portfolio von einer Klasse hätte ich gerne auf diese Weise besprochen haben wollen. Meine Gedanken und Kommentare wollte ich als Audiodatei zur Verfügung stellen.

Unsere Vorlesung mit allen Gedanken, hat mich dazu gebracht, dass ich darauf verzichte. Ich halte weitere 4 Lektionen des Unterrichts nicht im klassischen Sinne, dafür mache ich die Besprechungen während dieser Zeit mit jedem Schüler einzeln (geplant 24 x 6 Min.). Das Ziel ist die Entschleunigung und der persönliche Kontakt. In 4 Lektionen könnte ich übrigens – frontal unterrichtend – tolle Themen durchpauken und käme fachlich weiter. Das heisst, ich könnte problemlos den Stoff besprechen und das Lernen nach Hause delegieren. Und nun verzichte ich auf Inhalte, übrigens ein Verzicht, der zunehmend derartig weit geht, dass sich bestimmte Themen nicht mehr sinnvoll auf gymnasialem Niveau unterrichten lassen, weil ich feststellen muss, dass sich der Stoff nicht beliebig aufteilen und reduzieren lässt, so dass eigentlich geforderte Zusammenhänge noch erkannt werden können.

8.12.2008

Dies habe ich vor einem Jahr geschrieben und im Wesentlichen kann ich dies heute noch unterschreiben.

Ich habe wieder über die gleiche Frage nachgedacht und in Anlehnung an Ihre Fragen im Folgenden einige Kernideen aufgeschrieben, die für mich erfolgreich waren:

Konsequent separat behandeln: Video-, Audio- und Bilddateien sind aufgrund der Grösse schwieriger und zeitraubender zu "händeln". D.h. einmal hergestellt gehen sie auf eine externe Festplatte, gleich ins „ewige“ Archiv, ausser diejenigen, welche aktuell passend zu einer Vorlesung oder einem Projekt gebraucht werden. Danach werden sie auf dem Arbeitsgerät oder im Ordner der Vorlesung z.B. wieder gelöscht.

Wichtig ist mir auch: Themenordner oder Veranstaltungsordner einer zeitlichen Begrenzung zu unterlegen. Nach Abschluss einer Vorlesung oder ... weg vom Arbeitsgerät, ab ins „ewige“ Archiv (persönliche Festplatte). Immer an Weihnachten und im Juni mache ich dies konsequent.

Für den Unterricht habe ich Themenordner, die sich füllen und die jeweils nach einem Arbeitsdurchgang, d.h. zum Beispiel nach einigen Wochen, nach dem Durchführen einer Prüfung geleert oder fertig organisiert werden. Weil da sehr viel Bewegung ist, führe ich diese Ordner konsequent auf dem BSCW, damit fühle ich mich sicher. Hiermit habe ich noch nie Daten verloren, BSCW hat auch einen Abfalleimer, darauf musste ich schon zurückgreifen und habe dann auch gelernt, dass sogar im Zwischenspeicher noch Dinge gefunden werden konnten...

Hätte ich den schier unbegrenzten Zugriff auf BSCW nicht, würde ich mich heute um einen öffentlichen Serverplatz mit z.B. 5 GB Speicherplatz bemühen. Ich habe mit MySpace von Hotmail Versuche gemacht, nicht schlecht, aber ich brauche dies nicht wirklich. So bleibe ich bei dem, was hohe Zuverlässigkeit verspricht.

Ich habe mich schon verschiedentlich eingesetzt dafür, dass Schulen in diesem Bereich auch Zuverlässigkeiten ausstrahlen und bieten sollten, doch da gibt es noch zu viele Varianten und Ideen, als dass sich verbreitete Lösungen abzeichnen.

Würde ich heute nochmals mit Unterrichten beginnen, würde ich vermutlich mit Moodle oder Educanet2 starten und mich dort gut einarbeiten, d.h. meine Arbeitsweise mit diesen Plattformen in Einklang bringen. Dies braucht, um effizient zu sein, einige Monate oder Jahre, so dass es passt und man das meiste im Schlaf beherrscht. Ich meine, dass dies eine wichtige Voraussetzung ist, um sich voll auf die Didaktik und das Steuern des Unterrichts konzentrieren zu können.

1.1.2009: Dies einige Auszüge eines Kommentars im Rahmen der Vorlesungsdiskussionen über die Material- und Arbeitsorganisation von Lehrkräften.