Veränderungen im Wissensmanagement
Der Einsatz von elektronischen Medien im Unterricht wird in der Regel mit Lehren und Lernen verknüpft. Einher oder gar voraus geht die Veränderung des Wissensmanagements, der Arbeits- und Materialorganisation. In der Vorlesung Mediendidaktik am Institut für Gymnasial- und Berufspädagogik der Universität Zürich sind die elektronischen Formen des Wissensmanagements ein regelmässiges Thema in der Ausbildung von Lehrpersonen. Während vier Jahren habe ich bewusst jeweils einer Gruppe von Studierenden einen Beobachtungs- und Reflexionsauftrag dazu erteilt. Stephan Koch, Informatiker und künftige Gymnasiallehrperson, hat rund 40 Berichte über die jeweilige Beobachtungsperiode von knapp drei Monaten ausgewertet und zusammengefasst.
Arbeitsorganisation: Persönliche Bilanz der Studierenden
Zusammenfassung und Übersicht
Fragestellung
Wie hat sich die individuelle Arbeitsorganisation im Laufe des Semesters geändert?
Innerhalb der Veranstaltung wurde die Aufgabe gestellt, die eigene Arbeitsorganisation zu reflektieren, Vorsätze zu ihrer Verbesserung aufzustellen und nach etwa drei Monaten die daraus resultierenden persönlichen Erfahrungen in einem Forumsbeitrag darzulegen. Grundlage für diese Aufgabe waren die folgenden vorgegebenen Fragen:
1. Wie arbeite ich grundsätzlich (Tageszeiten, Rhythmen, Orte, Befindlichkeiten, Gewohnheiten, Leitsätze)
2. Wo und wie setze ich Medien/ICT ein?
3. Welche Erfahrungen habe ich dabei gemacht?
4. Was möchte ich wirklich verändern? Und wie? Fassen Sie konkrete Vorsätze!
Einen ähnlichen Auftrag mit jeweils leicht modifizierter Fragestellung hatten die Studierenden vergangener Veranstaltungen der Jahre 2006, 2007 und 2008.
In diesem Beitrag sind die prominentesten Gedanken zusammengefasst, und in der zeitlichen Entwicklung betrachtet. Neben der Aufgabenstellung wird in vielen Beiträgen zudem Stellung zum Einsatz von ICT in Schule, Arbeit und Gesellschaft bezogen. Daher werden auch zu dieser Thematik vorherrschende Einschätzungen präsentiert.
Wie viele Studierende haben ihre Arbeitsorganisation verändert?
Im zeitlichen Vergleich ist die Zahl der Studierenden, die ihre Arbeitsorganisation verändert haben, jedes Semester gestiegen.
Im zeitlichen Vergleich fällt auf, dass die Zahl der Studierenden, die im betrachteten Zeitraum ihre Arbeitsorganisation angepasst haben, anteilig bei jeder Veranstaltung gestiegen ist. Während 2006 niemand angab, die eigene Arbeitsorganisation schon verändert zu haben, sind es 2009 knapp die Hälfte der Teilnehmer. Allerdings sehen in 2006 noch mehr Studierende aufgrund der wenigen Daten kaum eine Notwendigkeit, diese aufwändig zu strukturieren. In Bezug auf das Unterrichten wird schon eine Verwendung von ICT in Massen angestrebt, dies liegt aber bei den meisten Studierenden noch in der Zukunft.
Wie zufrieden sind die Studierenden mit ihrer Arbeitsorganisation?
Ein Grossteil der Studierenden ist mit ihrer Arbeitsorganisation zufrieden, oder hat sie schon vor dieser Veranstaltung zur eigenen Zufriedenheit angepasst. Allerdings scheitern auch einige daran, die Informationsmenge systematisch und diszipliniert im Griff zu behalten.
Viele Studierende sind der Meinung, eine bewährte Arbeitsorganisation zu haben. In jedem Semester haben auch einige Studierende beklagt, dass ihre Arbeitsorganisation leicht chaotisch ist und obwohl sie wüssten, wie sie selbige verbessern könnten, daran in der Praxis häufig scheitern. Dies betrifft sowohl die zeitliche Einteilung der Arbeit, wie auch die Organisation der Unterlagen und Dokumente.
Wo ist am ehesten eine Verbesserung der Arbeitsorganisation gewünscht?
Meistgenannt ist der Wunsch nach Systemen, die die Wissensorganisation vereinfachen: Datenablage, besonders zu Literatur und Querverweisen, erleichtertes Wiederfinden von Dokumenten, sowie die Archivierung und das Löschen nicht mehr benötigter Daten.
Die Organisation eigener und fremder Dateien in Ordnern, auf mehreren Computern, mit einer Verfügbarkeit der Daten unabhängig vom Ort beschäftigt viele Studierende. Systeme, die in diesem Zusammenhang zur möglichen Verbesserung genannt werden, sind: The Brain, Citavi und Endnote und anfangs auch Plattformen wie Moodle oder BSCW. In diesem Semester überwiegt die Kritik, sich nicht auf eine Lernplattform beschränken zu können.
Welche Änderungen der Arbeitsorganisation wurden umgesetzt oder geplant?
Änderungen der Arbeitsorganisation betreffen primär eine nachhaltige Strukturierung der Dokumentenablage und eine Verminderung der Mehrarbeit mit Hilfe oder Vermeidung von ICT.
Von 2006 bis 2008 betreffen die Änderungen vor allem die Organisation der eigenen Dokumente, und wie auf selbige an verschiedenen Orten zugegriffen werden kann. In 2007 geht die Mehrheit der Studierenden nur auf die Frage zu Nutzen und Auswirkungen des ICT Einsatzes im Unterricht und allgemein ein. In 2009 ist der Einsatz von ICT immer mehr selbstverständlich und daher kommt der Wunsch nach einer Balance zwischen produktiver Nutzung von ICT und der Reduktion der Zeit, die vor dem Computer verbracht wird, hinzu.
Ist eine Verschiebung der Schwerpunkte bei der Beurteilung von ICT-Werkzeugen festzustellen?
Studierende der früheren Jahrgänge versprechen sich einen Nutzen beim Einsatz von ICT in der Schule, z.B. Lernplattformen, während in 2009 die bewusst selektive Verwendung von ICT im Vordergrund steht und einer übermässigen Abhängigkeit von der Technik entgegengewirkt wird.
Gleichbleibend finden sich immer wieder Aussagen, dass ICT-Mittel nur zur Unterstützung eines Lehr- oder Lernziels eingesetzt werden sollen, und nicht, um ein ICT-Werkzeug auszuprobieren. Die Relation zwischen Aufwand und Nutzen wird meist ungünstig für die Verwendung von ICT im Unterricht eingeschätzt, wenn es um neue Lehrmethoden geht. Für die Arbeitsvorbereitung sind Computer längst selbstverständlich.
Welche ICT-Mittel werden am ehesten als Kandidaten für eine verbesserte Arbeitsorganisation angesehen?
The Brain, Citavi und Endnote: Systeme zur Literaturverwaltung und der Verwaltung eigener Links und Notizen zu einem Thema.
Mitunter werden auch Lernplattformen genannt, und einige der vorgestellten Systeme wie Hot Potatoes als mögliche Kandidaten angeführt, wenn man später selbst unterrichtet.
Was sind typische Arbeitszeiten und beliebte Arbeitsorte?
Studierende sind sich ihrer Zeit- und Ortspräferenzen sehr bewusst. Es ist keine mehrheitliche Vorliebe für Arbeitszeiten zu erkennen, allerdings nutzen viele Bibliothek oder Uni zum arbeiten.
Beliebte Arbeitszeiten und -rythmen sind sehr individuell. In der Regel kennen die Studierenden die Zeiten, in denen sie persönlich am leistungsfähigsten sind, oder am liebsten arbeiten, sehr genau. Beim Arbeitsort bevorzugen einige eine Trennung von Arbeit und privatem, viele arbeiten gerne an öffentlichen Orten wie Bibliothek oder Arbeitsräumen mit einem angenehmen Umfeld (z. B. schöne Fernsicht).
Wie hat sich die Veranstaltung auf die individuelle Arbeitsorganisation ausgewirkt?
· Einige fühlen sich sicherer im Umgang mit ICT.
· Viele fühlen sich in ihrer Einstellung zur ICT bestätigt
· Viele können sich vorstellen, von einigen der vorgestellten Systeme Gebrauch zu machen, wenn sie selbst unterrichten.
· Nutzen und Kritik an der ICT halten sich in etwa die Waage.
Insgesamt führen viele Studierende an, dass sie entweder sicherer im Umgang mit oder in der Einschätzung von ICT-Werkzeugen geworden sind.

