Prüfungen - Tipps zur Herstellung, Durchführung, Korrektur und Besprechung
Die folgenden Hinweise für die Herstellung von Fragen, die Durchführung, Korrektur und Besprechung von Prüfungen wurden von Studierenden der Fachdidaktik Geographie an der Fachhochschule Nordwestschweiz im Rahmen einer Gruppenarbeit aufgeschrieben und von Lehrkräften ergänzt. (FS 2009, http://gloor.kaywa.ch)
1. Prüfungsfragen
· Gliederung: Mit einer einfachen, für alle Schülerinnen und Schüler lösbaren Frage beginnen, hin zu komplexen Fragestellungen.
· Steigerung des Schwierigkeitsgrades innerhalb einer Themengruppe, z.B. nach Bloom et al. 1972 (Kenntnis, Verständnis, Anwendung, Analyse, Synthese, Beurteilung).
· Die Punktezahl bei jeder Frage angeben. Gewichtungen der Fragen durch die Verteilung der Punkte aufzeigen.
· Überlegt formulieren (offene und geschlossene Fragestellungen)
· Unterrichtsbezogene Fragen (schriftlich und mündlich) stellen
· Themengruppen mit Überschriften, die Auswahl fällt dadurch leichter.
Vielfältige Fragen stellen, um auch verschiedene Lerntypen anzusprechen. Zum Beispiel: Mit Bildern veranschaulichen, Text bzw. Antwort schriftlich geben, Bilder/Tabellen selber zeichnen lassen, Zuordnen, Quellentexte, Bildbeschreibung, Atlasarbeit, Lückentext, Multiple choice, Tabellen erstellen (z. B. für Vergleiche nutzen), Beschreiben, Aufgaben zur Vernetzung.
Grafiken, Bilder etc. direkt in die Prüfung hinein kopieren.
Idee von Bonusfragen: Man kann sich mit einer Bonusfrage einen Punkt mehr holen, als maximal möglich ist.
Erwartungshorizont formulieren, damit Fragen korrekt und genau gestellt werden können und Punkte sinnvoll verteilt werden können.
Offene Fragen, zur Diskussion
· Antworten auf Prüfungsblatt oder auf liniertes Blatt?
· Lassen sich Fragetypen nach diesen "Anforderungskriterien" konstruieren?
· Wozu dient eine Prüfung?
· Zur Durchsetzung schulischer Selektion, zur Überprüfung der Lernfortschritte oder zur Beurteilung der Fähigkeiten und Fertigkeiten in Bezug auf den Lehrplan oder eine Kontrollgruppe?
Erfahrungen
„Ich baue Prüfungen so auf, dass einerseits die verschiedenen Lerntypen in der Klasse eine Chance bekommen, anderseits immer eine Chance besteht, eine 3 mit Auswendiglernen zu machen. Der "Rest" basiert auf der Anwendung: verstehen / anwenden / vernetzen.“ (Studierender)
2. Prüfungsdurchführung
Abschreiben: Evtl. Zwei Prüfungen machen: A und B. Sitzordnung überlegen: z. B. einzeln setzen, nötigenfalls Trennwände zwischen den Schülerinnen und Schülern aufbauen lassen. Klare Bekanntgabe der Sanktionen, falls gespickt wird. Zu beachten: Beschriftete Hände, evtl. Handkontrollen.
Material: Schülerinnen und Schüler dürfen nur wirklich notwendiges Material auf dem Pult haben. Atlasaufgaben separat lösen lassen; die Prüfung muss dann abgegeben sein, da im Atlas zum Teil anderweitig brauchbare Informationen sind.
Open book tests als Ergänzung zu den üblichen Tests durchführen.
Start: Prüfungsfragen verdeckt verteilen - alle beginnen gleichzeitig; Variante: Alle Fragen vorlesen, vorlesen lassen. Fragen auf Folie und gemeinsam anschauen und evtl. Fragen klären.
Sprechen: Vom Moment an, wo das erste Blatt ausgeteilt wird, wird nicht mehr gesprochen im Klassenzimmer.
Fragen: Die Lehrperson beantwortet nur in den ersten 5 Minuten Fragen zur Prüfung (Möglichkeit nach 20 Minuten nochmals wiederholen).
Variante: Die Schülerinnen und Schüler lesen die Fragen durch, schreiben nicht, Fragerunde nach fünf Minuten. Danach gibt es keine Fragen mehr.
Prüfungsende: Die Schülerinnen und Schüler, welche vor Stundenende mit der Prüfung fertig sind, müssen in der verbleibenden Zeit eine Zusatzaufgabe (SUDOKU oder Hausaufgaben) lösen.
3. Prüfungskorrekturen
· Antworten müssen bekannt sein: Vom Erwartungshorizont ausgehen, evtl. zuerst einige Antworten lesen und dann den Antworthorizont, respektive die Korrektur geschickt anpassen.
· Für einzelne Schritte in komplexen Antworten Häckchen bei Teilantworten setzen.
· In der Regel antwortweise korrigieren und nicht eine ganze Prüfung am Stück
· Reihenfolge: Nicht mit den besten oder den schwächeren Schülerinnen und Schülern beginnen, sonst läuft man Gefahr, weniger objektiv zu sein.
· Klare Notenskala, viele Punkte pro Frage ermöglichen, aber überblickbaren Raster anwenden (z.B. vierteilig: sehr gut, gut, recht, ungenügend).
4. Prüfungsrückgabe, -besprechung:
· Korrekte, oder zumindest erwartete Antworten mitteilen
· Inhaltliche Unklarheiten klären
· Kommentare bei der Besprechung zu den Bewertungen machen. Oder:
· Rückgabe der Tests kommentarlos (Pygmalion), oder/und
· Kommentare in die Prüfungen schreiben: Kann sehr förderlich und hilfreich sein. Nachteil: Zeitaufwand bei der Korrektur.
· Sich genügend Zeit für die Prüfungsbesprechung nehmen. Im Optimalfall: gleich viel Zeit für die Besprechung einplanen wie die Prüfung dauerte.
· Prüfungsrückgabe auf die nächste Lektion ansetzen. Die Lehrkraft erwartet auch, dass Schülerinnen und Schüler ihre Aufgaben machen.
Vorschlag: Mit der ganzen Lerngruppe wird die Prüfung nachbesprochen. Lehrperson steht im Mittelpunkt und hat das Wissen, vermittelt das Wissen. Danach Abgabe der Prüfung und Korrektur durch die Schülerinnen und Schüler.
Prüfung den Schülerinnen und Schülern zurückgeben. In kleinen Arbeitsgruppen bereiten die Jugendlichen die Aufgabenbesprechung der Prüfung vor und präsentieren ihren Lösungsweg und die Lösung. Material (Folien, Stifte ...) muss vorgängig bereitgestellt werden. Dauert länger, benötigt eine grössere Mitarbeit der Schülerschaft und nimmt die Lehrperson aus dem Zentrum der Lektion. Gleichzeitig üben die Jugendlichen kurze Vorträge zu halten.
Prüfung den Schülerinnen und Schülern zurückgeben. Sie sind nun aufgefordert, präzise Fragen zu einzelnen Aufgaben zu stellen. Verbesserungen durch die Schülerinnen und Schüler.
Vermeiden: Prüfungen nicht nach Noten geordnet zurückgeben!
Schlechteste und beste Note nicht bekannt geben.
(Lange) Erklärungen zum Durchschnitt, Pauschalurteile und ähnliche Kommentar
Schwierigkeit: Aufregung wegen den Noten und Besprechen zum gleichen Zeitpunkt. Nach der Rückgabe dürfen sich die Schülerinnen und Schüler laut über die Prüfung unterhalten (z. B. 10 Minuten), evtl. gezielt Vergleiche von Antworten untereinander fördern. Danach folgt die Besprechung. Wer nicht aktiv an der Besprechung teilnimmt, muss diese in der nächsten Lektion SCHRIFTLICH abgeben!
V10.2009

