12. Dezember 2010
Bericht zur Arbeits- und Materialorganisation
Der Umgang mit den elektronischen Medien beinhaltet eine ständige Reflexion der Arbeits- und Materialorganisation. Daraus folgend ergeben sich Veränderungen, welche ich kontinuierlich in meinen Kursen beobachten und dokumentieren lasse. Ich habe jüngst wieder einmal über die letzten 3 Jahre zurückgeschaut und für die Studierenden die Gedanken dazu aufgeschrieben. Hier ein Text, welcher sich auf einen Beitrag vom 5.1.2007 bezieht, respektive daran anschliesst, als ich die Entwicklungen aufgrund der Verbreitung von Memory-Sticks beleuchtete. Ein aktueller, subjektiver Bericht als Beispiel: Beachten Sie auch den Bericht von Stefan Koch, der 40 Erfahrungsberichte ausgewertet hat im Blogbeitrag vom 22.12.2009.
Die Memory-Stick-Geschichte – eine Art Dateimangementlösungshoffnung von einst - hat sich für meine Arbeitsweise zerschlagen. Ich hatte die Disziplin nicht und vor allem, die Sticks waren mir zu langsam. Im Schulalltag und im Datenverkehr mit SuS sowie Kolleginnen, auf den Reisen zu Weiterbildungen und ähnlichem hat sich der Stick gehalten. Eigentlich gehört er zum Alltagsgepäck - grösser im Inhalt und kleiner im Format sowie auch schneller geworden - brauche ich ihn bei der Verteilung von Videos auf verschiedene Computer an meinen Arbeitsplätzen. Dort „schmarotzere“ ich manchmal mit den Filmen die lokale Festplatte zu und lasse die Videos liegen. Sie sind erstaunlicherweise auch nach einigen Monaten oder gar Jahren jeweils noch dort… aber eben: Keine Garantie, doch praktisch ist dies schon oft gewesen.
Tatsächlich bewährt hat sich die Idee, mit dem Nicht-mehr-Herumtragen von Laptops. Ausser an der UNI konnte ich dies konsequent umsetzen. Zwei Schäden (1x Harddiskcrash und 1x Bildschirm) belegen mir, dass die Geräte meinen Umgang (ich fahre oft mit dem Rad zum Bahnhof, die Geräte liegen in einer Tasche verpackt, dann im Gepäckträgerkörbli) nicht wirklich erdulden. Schon aus diesem Grund setze ich auf leichteres Gepäck.
Wichtig ist, dass an meinen Arbeitsorten heute die Dropbox (es gibt einige andere ähnliche Produkte) eingerichtet werden kann. Das braucht manchmal die Erlaubnis der Administratorin. Dies lohnt sich im Moment für mich und ich habe mir zum Jahresziel 2011 gesetzt, definitiv in Bezug auf meine Dateiorganisation auf die Dropbox umzustellen. Unter Druck von Schule und Kollegen versuchte ich es bisher mit Moodle, lange erfolgreich mit BSCW, doch die Tools erscheinen mir für die Datenorganisation und in Bezug auf das Login schwerfällig und umständlich, dass ich dazu keine Lust und Zeit mehr haben will.
Das heisst, ich verabschiede mich langsam von den Plattformen, gehe hin zu Webanwendungen. Ob ich es dereinst mit Googledocs und Ähnlichem machen werde, weiss ich im Moment noch nicht. Zur Zeit bin ich komfortabel in Institute eingebettet und kriege die Software (z.B. Office) zur Verfügung gestellt. Wäre dies nicht der Fall, würde ich konsequent auf Openoffice umsteigen.
Ein wichtiger und guter Entscheid war, Unabhängigkeit zu pflegen. Ich wollte nie gebunden sein, ein Beispiel war die frühe Entscheidung, einen Webmail-Client zu verwenden und nicht Outlook zu pflegen. Das führt zwar heute dazu, dass ich keine Mails mehr aus früheren Zeiten habe. Ich vermisse dies bisher nicht, weg ist weg… wäre ich allerdings in einer juristisch oder administrativ wichtigen Position, müsste ich dies anders lösen. Im Zusammenhang mit Prüfungen und Bewertungen muss ich Mails auch archivieren, was ich allerdings mit Hotmail mache. Geht deren Server ins Nirwana, gehen auch meine Archive verloren.
Kurzum: ich bewege mich eher auf der unsicheren Seite. Dies betrifft auch die Sicherheitseinstellungen am Computer zu Hause. Firewall von Windows, Router und Provider reichen mir. Allerdings auch hier gilt: Ich habe alle Dateien auf der Dropbox und erstelle im 3-6 Monatsrhythmus ein Backup auf eine externe private Harddisk. Grosse Arbeiten (Filme, Arbeiten, Artikel) sichere ich allerdings nach jedem Arbeitsgang! Hierzu nutze ich BSCW und die Dropbox, je nach Verwendungszweck und Situation – aber konsequent: Kein Arbeitsschluss, wenn ich produziere, OHNE bewusste Sicherung.
Das Sammeln von Materialien hat deutlich abgenommen. Diesen Entscheid hatte ich 2007 gefällt. Vor allem habe ich das Aufnehmen von eigenen Videos praktisch aufgegeben. Ich nutze die Angebote der TV-Archive und nur noch ganz wenige Sendungen nehme ich auf meinen Harddiskrecorder auf und brenne pro Jahr ca. noch 4 DVDs, ca. 40 Filme (z.T. Ausschnitte).
Ich versuche das Orientierungswissen zu pflegen, versuche Spuren zu den originalen Orten der Dateien/Quellen zu legen. Wenn etwas gespeichert wird, dann erfolgt auch ein Verarbeitungsgedanke und -schritt dazu. Durch die Verarbeitung von Inhalten muss ich mich entsprechend stark einschränken und mir bewusst überlegen, was wohin kommen soll.
Das konsequente Sammeln von Links mit Kommentaren in einer Groupware habe ich beibehalten (noch). Ich werde in der Dropbox in einen Linkordner zu jeweiligen Themen Verknüpfungen erstellen. Ich verliere dadurch die Kommentierungsfunktion und bin am Überlegen, ob ich diigo.com konsquent nutzen soll. Im Moment bleibt BSCW zur Linksammlung noch prioritär.
Die Arbeit mit Suchmaschinen wird komfortabler, insofern gibt es die Gedanken, noch weniger selber Wissen und Material zu organisieren, doch wie schon geschrieben: Die Verarbeitung, die Archivierung ist als Prozess ein Gewinn, für mein Hirn und die darausfolgenden Kurse. Es erweist sich immer wieder als günstig, einiges live präsent zu haben – aber möglichst nie vor Publikum etwas suchen zu müssen.
Vielleicht noch einige Worte zu den Geräten: Es ist nun tatsächlich dazu gekommen, dass zwei Laptops genutzt werden, jeder hat seinen Nutzungsbereich: Der eine für die Mediendidaktik mit vielen speziellen Anwendungen und der andere für die Fachdidaktik Geographie. Diese physische Trennung ist praktisch und dank der Dropbox nun nicht mehr schwierig. Egal wo ich arbeite, immer habe ich auf allen Geräten den neusten Datenstand. Praktisch ist es, wenn ich Konzepte mache, surfen und schreiben muss sowie Übersichten im Auge behalten will. Da sind zwei Bildschirme gut.
Fazit: Ich beobachte was im Web2.0 geht, versuche wenig zu machen, dafür konsequent und ich nehme mir hin und wieder Zeit etwas auszuprobieren, oft aufgrund eines Hinweises in den Medien oder aus den Kursen.
Sämtliche Hinweise sind ohne Gewähr. Ich habe lediglich versucht, Erfahrungen zugänglich zu machen. Sie sollen zu einem eigenen Weg anregen.
Peter Gloor